Bericht zur Spontankundgebung in der Bayerstraße

Am gestrigen Abend hat die AfD Lindau eine Nominierungsversammlung für die kommenden Kommunalwahlen in Bayern durchgeführt. Obwohl der Ortsvorsitzende der Partei Rainer Rothuß im Vorfeld behauptet hatte, diese würde „den Regularien gemäß […] öffentlich und auch medienöffentlich stattfinden“, wurden Ort und Uhrzeit im Vorfeld selbst bedeutenden Pressevertreter_innen gegenüber streng geheim gehalten. Rothfuß hatte zuletzt in Folge von Protesten mit dem Weingut Peter Hornstein den letzten verfügbaren öffentlichen Versammlungsort der Rechtsaußenpartei in Lindau und Umgebung verloren. Dementsprechend hatte er zusammen mit der Ankündigung seiner Landratskandidatur bekannt gegeben, die Nominierungsversammlung solle in den Firmenräumen eines Mitgliedes vonstatten gehen. Wie sich am gestrigen Abend herausstellte, handelte es sich dabei um Büroräume in seiner eigenen Wohnung in der Bayerstraße 11 in einem Mehrfamilienhaus in Lindau, wo gleichzeitig auch sein Wohnsitz liegt. Nachdem dieser geheimgehaltene Ort der angeblich öffentlichen Versammlung durch eine von mehreren Personengruppen, die am Abend mögliche Versammlungsorte auf ein Eintreffen von Vertreter_innen der AfD überprüft hatten, identifiziert worden war, kam es zu einer Spontankundgebung vor dem Haus in der Bayerstraße. Hierbei fanden sich nach und nach immer mehr Menschen ein, um gegen die Normalisierung rechtsradikaler Positionen durch die AfD und die engen Verbindungen der Lindauer Ortsgruppe in verschwörungsideologische Kreise und zur Reichsbürgerszene zu protestieren. Aufgrund des äußerst ungewöhnlichen Versammlungsortes der AfD in einem sehr ruhigen Teil der Stadt in dem sich nahezu ausschließlich Privatwohnungen mit vielen Familien befinden, wurde bei der Kundgebung auf das ansonsten übliche Abspielen von Musik verzichtet. Im Laufe des Abend fanden sich immer wieder Anwohner_innen bei der Kundgebung ein um ihre Zustimmung zu den Protesten und ihren Unmut über die rechten Umtriebe in ihrem Wohngebiet zum Ausdruck zu bringen. Einige schlossen sich dem Protest zeitweise an, während andere an der Türe des angehenden Landratskandidaten klingelten um seine angereisten Parteifreunde dazu zu bewegen, ihre Fahrzeuge wegzufahren, die an mehreren Stellen Anwohner_innen die Wegfahrt versperrten. Darunter war auch der SUV des oberallgäuer Kreistagskandidaten Ernst Jacob, welche wie Recherchen der Journalistengruppe Allgäu rechtsaußen vor kurzem ans Licht brachten, Teil einer rechtsradikalen Vernetzungsgruppe aus dem Umfeld der identitären Bewegung in Kempten ist. Die Kundgebung dauerte bei kalten Temperaturen bis in die Nacht hinein an. In Bezug auf die AfD Nominierungsversammlung von einem öffentlichen Charakter des Treffens zu sprechen erscheint unter dem Eindruck des gestrigen Abends völlig absurd. Die gesamte Angelegenheit lässt Rainer Rothfuß als möglichen Landratskandidaten in einem äußerst unseriösen Licht stehen. Anwohner_innen der Bayerstraße indes haben zusammen mit den anwesenden Kundgebungsteilnehmer_innen deutlich gemacht, dass sie mit Treffen der Rechtsaußenpartei in ihrem Wohngebiet alles andere als einverstanden sind.

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